
Photovoltaik · 7 Min. Lesezeit
Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch? Die ehrliche Rechnung fürs Eigenheim
Einspeisevergütung runter, Strompreis hoch – was heißt das für dein Dach? Eine nüchterne Rechnung mit Beispiel.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine PV-Anlage rechnet sich heute vor allem über den selbst verbrauchten Strom, nicht über die Einspeisung.
- Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den vollen Strompreis (rund 30–40 ct), eingespeist gibt es weniger als 8 ct.
- Typische Amortisationszeiten liegen – je nach Anlage und Verbrauch – grob zwischen 10 und 15 Jahren, bei 25+ Jahren Lebensdauer.
- Wärmepumpe, E-Auto oder Homeoffice erhöhen den Eigenverbrauch und verbessern die Rechnung deutlich.
Kaum ein Thema wird so widersprüchlich diskutiert: Die einen sagen, Solar lohne sich „nicht mehr“, weil die Einspeisevergütung immer weiter sinkt. Die anderen versprechen Renditen, die zu schön klingen, um wahr zu sein. Beides greift zu kurz. Ob sich eine Photovoltaikanlage für dich lohnt, hängt von wenigen, gut greifbaren Faktoren ab – und die schauen wir uns hier an.
Die neue Logik: Eigenverbrauch statt Einspeisung
Früher wurde Solarstrom vor allem ins Netz verkauft. Heute ist es umgekehrt: Für neu eingespeisten Strom aus kleinen Dachanlagen gibt es nur noch eine Vergütung von unter 8 Cent pro Kilowattstunde. Wer dagegen Strom aus dem Netz kauft, zahlt häufig 30 bis 40 Cent.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst, ist ein Vielfaches wert. Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage steht und fällt also mit der Frage, wie viel deines Solarstroms du direkt im Haus nutzt.
Diese fünf Faktoren entscheiden
- Dach & Ausrichtung: Süd ist ideal, Ost-West funktioniert sehr gut und verteilt die Erzeugung über den Tag. Nordseiten und starke Verschattung kosten Ertrag.
- Standort: In Deutschland erzeugt ein Kilowatt-Peak (kWp) Modulleistung grob 850 bis 1.100 kWh pro Jahr – im Norden eher am unteren, im Süden am oberen Ende.
- Dein Verbrauch: Wie viel Strom brauchst du, und vor allem wann? Tagsüber zu Hause, Wärmepumpe, E-Auto – all das hilft.
- Anlagenpreis: Der Preis pro kWp schwankt je nach Größe, Dach und Komponenten erheblich. Ein sauberer Vergleich lohnt sich.
- Strompreis: Je teurer dein Netzstrom, desto mehr spart jede selbst erzeugte Kilowattstunde.
Rechenbeispiel: Einfamilienhaus in Norddeutschland
Ein Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch installiert eine Anlage mit 9 kWp ohne Speicher. Bei rund 950 kWh pro kWp entstehen etwa 8.500 kWh Solarstrom im Jahr.
| Position | Annahme | Ergebnis / Jahr |
|---|---|---|
| Eigenverbrauch | ca. 1.400 kWh × 35 ct | ≈ 490 € |
| Einspeisung | ca. 7.100 kWh × 7,8 ct | ≈ 550 € |
| Summe | ≈ 1.040 € |
Bei Anschaffungskosten von grob 12.000 bis 15.000 € ergibt das eine Amortisation von etwa 12 bis 14 Jahren – bei einer erwarteten Lebensdauer der Module von 25 Jahren und mehr. Kommt eine Wärmepumpe oder ein E-Auto dazu, steigt der Eigenverbrauch und die Rechnung wird spürbar besser.
Wichtig: Das ist ein vereinfachtes Beispiel. Wartung, Versicherung, ein späterer Wechselrichtertausch und Preisänderungen beeinflussen das Ergebnis. Mit unserem PV-Ersparnisrechner kannst du mit deinen eigenen Werten spielen.
Neue Regeln seit 2025: Was du wissen solltest
Mit dem sogenannten Solarspitzengesetz hat sich 2025 einiges geändert. Für neue Anlagen gilt unter anderem: In Zeiten negativer Strompreise an der Börse gibt es keine Einspeisevergütung, und ohne Smart Meter darf häufig nur ein Teil der Leistung ins Netz eingespeist werden. Für die meisten Eigenheime ist das kein Grund gegen PV – aber ein weiterer Grund, die Anlage auf Eigenverbrauch auszulegen und gegebenenfalls einen Speicher oder ein Energiemanagement einzuplanen.
Wann sich PV eher nicht lohnt
Ehrlichkeit gehört dazu: Ein stark verschattetes Dach, eine Dachsanierung, die ohnehin in wenigen Jahren ansteht, oder ein sehr niedriger Verbrauch können die Rechnung kippen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, erst das Dach zu sanieren oder die Anlage kleiner zu planen. Genau diese Einordnung ist Teil einer guten Beratung.
Fazit
Für die meisten Eigenheime mit geeignetem Dach lohnt sich Photovoltaik auch 2026 – nicht als Renditeobjekt über die Einspeisung, sondern als langfristiger Schutz vor steigenden Strompreisen. Entscheidend ist eine Anlage, die zu deinem Verbrauch passt, und ein fairer Preis.
Alle Angaben sind Richtwerte nach bestem Wissen (Stand Oktober 2026) und ersetzen keine individuelle Beratung. Preise, Förderbedingungen und gesetzliche Regelungen können sich ändern.



